„Asexuelle Menschen werden immer wieder als psychisch krank erklärt“

Asexuelle Menschen begegnen im Alltag immer wieder Vorurteilen. Aber auch vor Partnerschaften machen Stigmatisierungen nicht halt. Der Sexualpsychotherapeut Florian Friedrich spricht über die Pathologisierung einer wenig bekannten Sexualität und über die sexuelle Leistungsgesellschaft, die viele Menschen in ihrer Sexualität einschränke.


TEXT & AUDIO: URSI ZAISER


Wer nicht der Norm entspricht, ist krank. Oder zumindest komisch. So lautet oft das Urteil der Gesellschaft. Das betrifft Menschen mit Behinderung, mit Migrationshintergrund und auch Personen, die nicht heterosexuell sind. Diese Erfahrung machen auch asexuelle Menschen. Es passiere immer wieder, so Sexualpsychotherapeut Florian Friedrich, dass Partner*innen asexueller Menschen ihnen aufgrund ihrer Asexualität einen Besuch bei einer psychologischen Fachkraft nahelegen. „Mit dir kann ja was nicht stimmen, geh mal zum Psychotherapeuten“, heiße es dann.


Florian Friedrich arbeitet als Sexualtherapeut und Sexualpädagoge in der Stadt Salzburg. Im amRand-Podcast kritisiert er die sexuelle Leistungsgesellschaft, in der wir leben. „Mir fällt auf, dass es kaum Menschen gibt, die unbefangen Sex haben können.“ Der Druck, möglichst oft Sex zu haben und dabei möglichst viel auszuprobieren, sei sehr groß. Dann einzuräumen, selbst eigentlich gar keine so große Lust auf Sex zu haben oder gar asexuell zu sein, sei sehr schwierig.


Als Teil der Lösung sieht Florian Friedrich eine bessere Ausbildung von Psychotherapeut*innen, Lehrkräften und Menschen, die mit Kindern und Jugendlich en arbeiten. „Asexualität, Homosexualität, Transidentität sind in ganz vielen Berufsausbildungen null Thema. Und da braucht es ganz andere Lehrpläne und Berufsausbildungspläne.“

Sexualtherapeut Florian Friedrich

Sexualtherapeut Florian Friedrich kritisiert eine sexuelle Leistungsgesellschaft. (c) Sven-Kristian Wolf


Freund*innen und Vertrauenspersonen von asexuellen Menschen rät Florian Friedrich, die Betroffenen in ihrer Sexualität zu bestärken und ihnen zu zeigen, dass ihre Gefühle richtig sind. „Es ist wirklich fatal, wenn man Menschen falsche Gefühle oder Bedürfnisse einredet, die sie nicht haben.“ Umso wichtiger sei es, Jugendliche und Menschen, die mit ihnen arbeiten, ausreichend aufzuklären, um Diskriminierungen schon früh entgegenzuwirken.

WEITERLESEN


Im Rahmen unseres Schwerpunktes Asexualität haben wir mit Silje gesprochen. Sie identifiziert sich als asexuell. In dieser Geschichte erfährst du genauer, was Asexualität ist, welche verschiedenen Formen es davon gibt und wie eine junge Frau ihre Asexualität erlebt.