Windowshopping: Wien im Lockdown

Der dritte Lockdown hält Österreich in Atem. Geschlossene Geschäfte, zugesperrte Cafés - der Alltag steht Kopf. Ein fotografischer Spaziergang vom Rande Wiens bis in die Innenstadt.


FOTOS: JULIA PABST; TEXT: JULIA PABST; PAUL MAIER


Ein winterlicher Vormittag im 15. Wiener Gemeindebezirk: Wer von der Johnstraße zur Märzstraße hinunter spaziert, sieht geschlossene Geschäfte und Restaurants. Normalerweise herrscht hier zwischen türkischen Supermärkten und kleinen Boutiquen reges Treiben. Heute ist das anders. Die Straßen sind leerer als sonst. Kreuzen sich die Wege der wenigen Passant*innen, halten sie Abstand.



In den wenigen Läden, in denen Licht brennt, werkeln nur die Besitzer*innen. Sie nutzen die Zeit, in der sie nicht aufsperren dürfen und bringen ihr Geschäft auf Vordermann: Es wird geputzt und aufgeräumt, gestrichen und geschraubt. Auf dem Weg Richtung Innenstadt stapeln sich Leitern und Werkzeugkisten. Einige Händler*innen packen ihre Produkte in Pakete ein den Onlinehandel als derzeit einzige Umsatzquelle nutzend.



Flanieren auf Distanz


In den Restaurants bleiben die Tische leer. Lieferdienste und Takeaway-Angebote haben Hochkonjunktur. Vor besonders beliebten Fastfoodbuden wie dem Berliner Döner im siebten Wiener Gemeindebezirk stehen einige Hungrige Schlange. Auch die hellgrünen Jacken der Mjam-Lieferant*innen und die orangen Anoraks der Lieferando-Radler*innen gehören mittlerweile zum Stadtbild.



Auch wenn die Läden geschlossen sind - in der Innenstadt wollen sich viele das Flanieren nicht nehmen lassen. Sie machen das, was man im Englischen "Windowshopping" nennt: Immer wieder bleiben sie vor den Schaufenstern stehen, betrachten die elegant gekleideten Puppen und spazieren dann weiter, ohne etwas gekauft zu haben.


Nach bald einem Jahr Ausnahmezustand droht einem die Decke auf den Kopf zu fallen. Umso mehr schätzen viele den täglichen Spaziergang an der frischen Luft. Parkbänke sind so beliebt wie nie zuvor: Wie Vögel auf Stromleitungen fädeln sich die Wiener*innen nebeneinander auf ihnen auf. Von ihren Gesichtern kann man vor allem eines ablesen: Hoffentlich ist das alles bald vorbei.



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